Die Verwicklungen und Liebesdreiecke des französischen Königshofs haben schon viele Kunstwerke inspiriert und die Operette Die Dubarry ist ein leuchtendes Beispiel dafür, warum das so ist. Im Paris des 18. Jahrhunderts spielend, fokussiert sich dieses intrigen- und actionreiche Werk auf das Leben der Jeanne Bécu, der letzten Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Dank ihrer vielbeachteten Liaison mit dem Monarchen wurde sie zur Gräfin du Barry, allgemein als ‘Madame Dubarry’ bezeichnet. Ihre faszinierende Lebensgeschichte brachte Carl Millöcker dazu, eine eigene Operette zu erschaffen. Gräfin Dubarry hatte in Wien Premiere am 31. Oktober 1879, im beliebten Theater an der Wien. Etwa ein halbes Jahrhundert später überarbeitete Theo Mackeben das Original von Millöcker und schuf eine neue Version, die er Die Dubarry nannte und die er erstmals im Berliner Admiralspalast am 14. August 1931 aufführen ließ. Diese Version wurde die letzte der Operette und die Volksoper Wien bringt sie in dieser Saison auf die Bühne.
Zu der Zeit, als Theo Mackeben das Werk überarbeitete, um Die Dubarry zu schaffen, verlangte der Zeitgeist der Operette nach starken Frauenfiguren und nach mutigen, sogar gegen das Establishment gerichteten Geschichten. Nur kurz nach seinem Erfolg mit der Aufführung von Bertolt Brechts ‘Dreigroschenoper’ widmete sich Mackeben intensiv der Originalmusik von Millöcker und dem Libretto von F. Zell und Richard Genée, um genau das abzuliefern: eine beeindruckende Geschichte von weiblicher Stärke und sozialem Aufstieg mit dem Preis, den man dafür zahlt. Die Zuschauer lernen das einfache Leben der Schneiderin Jeanne Bécu kennen, die sich in den Maler René Lavallery verliebt hat. Ihr Leben verändert sich schlagartig, als sie eine feurige Affäre mit König Ludwig XV. beginnt und an den französischen Hof katapultiert wird. Der Weg an die gesellschaftliche Spitze ist steinig und verlangt seine Opfer - wird Madame Dubarry diesen hohen Preis bezahlen können?
Die Dubarry ist eine großartige Studie hinsichtlich Charakterentwicklung und der Herausforderung der vorherrschenden gesellschaftlichen Normen. Soziale und politische Themen vermischen sich mit den romantischen Beziehungen und den persönlichen Entscheidungen der Heldin und schaffen ein Operettenerlebnis, an das sich das Publikum an der Volksoper Vienna sicherlich lange erinnern wird.